Projekt JAKOb: Die Geschichte

Bis Ende Juli 2003 der Jugendraum am Hochofen in Oberscheld eröffnet werden konnte, mussten sich Jugendliche und die Erwachsenen des Vereins JAKOb in Geduld üben. Zu Beginn war nicht absehbar, wie das Ziel, Jugendlichen Raum zu geben, seine konkrete Realisierung finden würde.

Es begann mit einem Vortragsabend

Am 14. März 2001 fand in der Oberschelder "Glück-Auf" Halle ein Vortragsabend zum Thema "Gewalt von Rechts" statt. Dieser wurde von der Evangelischen Kirchengemeinde und der Freien evangelischen Gemeinde in Oberscheld organisiert. Zu einem solchen Abend bestand konkreter Anlass: In Oberscheld waren zahlreiche Vorkommnisse mit rechtsextremistischen Hintergrund zu verzeichnen.

Viele Jugendliche in Oberscheld hatten sich scheinbar dem rechtsextremen Lager zugewandt. Diese so genannte "Oberschelder rechte Szene" erlangte des Öfteren eine traurige Berühmtheit über die Dorfgrenzen hinaus. Die heimische Presse schrieb sogar, dass dem ehemaligen Bergmannsdorf der Ruf eines Sammelbeckens für rechte Jugendliche drohe.

Der Vortragsabend fand eine große Resonanz bei der Oberschelder Bevölkerung und rief bei vielen Besuchern eine gewisse Betroffenheit hervor. Dies alleine könnte schon ein erfreuliches Signal sein.

Vom "Runden Tisch" zu JAKOb e.V.

Jedoch erwuchs bei einigen Besuchern des Vortragsabends die Erkenntnis, dass Betroffenheit alleine wenig dazu beitragen kann, die Probleme im Ort zu lösen. Es bildete sich daher der noch damals so genannte "Runde Tisch", der sich später den Namen "JAKOb: Jugend-Arbeits-Kreis Oberscheld" geben sollte und seit März 2002 ein eingetragener und gemeinnütziger Verein ist. Sehr schnell wurde den Teilnehmern deutlich, worin ein persönliches Engagement bestehen könnte. Man kam zu der Einsicht, dass vielen Jugendlichen, trotz einer ausgeprägten Jugendvereinsarbeit im Dorf, ein Raum der Begegnung fehlt, in dem nicht das Angebot dominiert. Vielmehr sollte in diesem die Möglichkeit bestehen, dass Jugendliche des Dorfes eigenen und gemeinschaftlichen Interessen nachgehen können und Möglichkeiten zur Realisierung eigener Ideen finden. Letztlich war und ist es auch Ziel der Oberschelder Bürger im Verein JAKOb, einer scheinbar anwachsenden rechten Gesinnung unter Jugendlichen nicht nur mit einem "virtuellen" Zeigefinger zu begegnen, sondern den sich oftmals dahinter verborgenen Konflikten in persönlichen Entwicklungs- und Sozialisationsprozessen bei vielen Jugendlichen Aufmerksamkeit und Beachtung zu schenken. Ort für eine Offene Jugendarbeit sollte ein Jugendraum sein. Die Suche, Herrichtung und persönliche Mitbetreuung eines Jugendraums war und ist primäres Ziel des Vereins.

Langwierige Suche nach einem Jugendraum

Die Suche nach einem Jugendraum in Oberscheld stellte alle Beteiligten vor eine harte Probe, denn es sollte nicht weniger als anderthalb Jahre dauern, bis der jetzige Jugendraum auf dem ehemaligen Hochofengelände angemietet werden konnte. Die Renovierung des Jugendraums, welche von viele Jugendlichen und Mitgliedern des Vereins JAKOb vorgenommen wurde, nahm auch nochmals einige Monate in Anspruch. Am 11. Juli 2003 konnte endlich das neue Domizil bezogen werden.
Die Zeit der langen Suche nach einem geeigneten Raum nutzte JAKOb e.V., um zahlreiche Vorbereitungen für den Tag X, der Eröffnung eines Jugendraums, zu treffen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Die Erarbeitung und Aneignung einführender Kenntnisse in die Offene Jugendarbeit und die gegenwärtigen Jugendszenen.
  • Die Erhebung und Beurteilung des Bedarfes für eine Offene Jugendarbeit in Zusammenwirken mit der Stadtjugendpflege und anderen.
  • Die Schaffung des überbrückenden Angebotes "JAKOb´s Café", welches für Jugendliche in Oberscheld monatlich eröffnet wurde.
  • Die Werbung für die Idee des Angebotes einer Offenen Jugendarbeit im Ortsteil Oberscheld u.a. durch Organisation und Durchführung eines Sport- und Spiele- Tages im Oktober 2001 und Teilnahme an der Stadtteilpräsentation in Dillenburg im Mai 2002.
  • Die Schaffung einer Vereinsstruktur und Anerkennung der Gemeinnützigkeit zur Akquirierung von Spenden-, Sponsoren- und Stiftungsgeldern.
  • Der Aufbau und Nutzung von Kontakten zu Personen in der professionellen Jugendpflege (zu Mitarbeitern der Stadtjugendpflege Dillenburg, des Kreisjugendbildungswerks, des Kreisjugendamtes und Kreissozialamtes, dem Verein "Kinder im Fluss" sowie zu Mitarbeitern des Polizeipräsidiums Mittelhessen und des Diakonischen Werks).
  • Der Erwerb der Jugend-Leiter-Card für bisher 3 Mitglieder von JAKOb e.V. im Jahr 2002/2003.

JAKOb als "Querschnitt" der Oberschelder Bevölkerung

Der Jugend-Arbeits-Kreis Oberscheld e.V. setzt sich sehr heterogen zusammen, kann also als eine Art Querschnitt der Oberschelder Bevölkerung verstanden werden. Ihm gehören Vertreter der katholischen, und freikirchlich evangelischen Gemeinden, Vertreter zahlreicher Vereine, des Ortsbeirats und natürlich Privatpersonen an. So bunt diese Runde erscheinen mag, so klar kann diese ihr gemeinsames Anliegen formulieren: Nicht in der o.g. Betroffenheit zu verharren, sondern Möglichkeiten des Handelns zu finden, diese gemeinsam zu formulieren und zur Umsetzung bringen zu helfen.

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